
Illustration: Prompt Matthieu Rossez | opeanAI ChatGPT 5.2
Ich grüße,
Ich grüße Eure Tiefe,
Das, was ihr glaubt, entwickeln zu müssen, weil es euch fehlt, ist schon ruhend in euch. So ihr etwas entwickelt, wisst, dass es in Wirklichkeit ein Betrug ist, weil es schon da ist. Es ist nur entweder nicht oder viel zu wenig manifestiert. So ihr euch mangelhaft glaubt oder fühlt, wisst, dass die Vollkommenheit aber da ist. Sie ruht latent in euch, sie darf euch wieder bewusstwerden. Dafür braucht ihr euer Bewusstsein, die Erkenntnis, die Aufmerksamkeit, die Stille, aber auch die Energie, die genau das entwickelt, was ihr entwickeln möchtet, weil ihr es schon habt.
Es ist, als ob ihr die Schüler wärt, die in der Universität sind, aber glauben, sie seien im Kindergarten und entdecken, sie sind aber doch in der Universität und halten sich für Kindergartenschüler. Sie erkennen: „Oh, ich bin doch in der Universität; und es fließt doch in mir und es fließt in mich hinein das Wissen und es ist da, weil es da ist. Ich bin es schon.“ Die kleine Person hält sich immer für kleiner, als sie ist, macht sich aber meistens größer, als sie ist, damit sie nicht merkt, dass sie sich kleiner macht, als sie ist. Sie schwankt also von Ohnmacht zu Macht oder Übermacht, immer auf der Suche nach sich selbst. Immer auf der Suche nach Wachstum, heraus aus dem Mangel in eine Fülle, die sie aber bereits ist.
Ihr werdet sagen: „Ja, möglich ist es, dass es so ist, wie du es sagst. Es ist aber so schwer, denn es ist tatsächlich das, was wir wahrnehmen: dass wir es nicht können, dass wir im Mangel sind, dass uns etwas fehlt, dass wir etwas brauchen, dass wir ungesund sind, usw. Dass also das nicht manifestiert wird, was irgendwo doch im mir zu sein scheint, wie du sagst“, nicht wahr? Die kleine Person glaubt felsenfest daran, dass sie Recht hat in dem, was sie glaubt, dass sie es glaubt. Also sie hält sich tatsächlich für einen Kindergartenschüler, obwohl sie schon in der Universität ist. Haltet mal inne, um zu spüren, was es bedeutet. „Ich bin schon vollkommen, auch wenn ich dahin wachsen will, in die Vollkommenheit. – Ich bin schon gesund, obwohl ich mich nicht als gesund wahrnehme und in die Gesundheit gelangen will. – Ich will intelligent werden und halte mich noch für dumm oder unwissend und will wissen und fühle es aber nicht, dass ich weiß. Und doch sagst du, dass ich schon weiß, dass alles schon da ist.“ Es ist für die kleine Person schon nicht einfach – und doch, wenn sie innehalten würde und dieses kleine Wissen aufnehmen könnte, könnte sie aufatmen und sich jeglichen Wachstumsdruck oder Leistungsdruck zum Wachsen von sich nehmen. Sie wäre da, wo sie ist, könnte zumindest leichter dorthin kommen, in das, was sie ist. Sie bräuchte Wachstum, ja, um genau das zu entdecken, aber nicht, um etwas zu erreichen, was sie noch für unmöglich hält, aber unbedingt erreichen will. Denn das ist das zweite Problem der kleinen Person: Sie will etwas unbedingt erreichen, hält sich aber für sehr klein oder spielt mit Hochmut die Allwissende, die aber doch nicht weiß und versteckt es sozusagen. Und trotzdem will sie es, will es aber unbedingt erreichen, weil sie doch vollkommen sein will. Sie will aufsteigen in das Licht, was sie unbedingt sein möchte. Und ihr zweites Problem ist, dass sie aber doch nicht in der Tiefe glaubt, dass es möglich ist, dass sie hineinwächst.
Hat sie Recht oder Unrecht? Es ist eine falsche Frage… Sie muss nicht wachsen in das, was sie unbedingt erreichen will. Wohin soll sie wachsen? In das Erkennen, dass alles da ist.
Ihr lebt in der Dualität der Welt, und sie ist die Ordnung der Manifestation in der Welt, aber ihr spielt nicht gut genug mit ihr. Ihr transzendiert, ihr überwindet sie nicht genug, sondern fühlt euch Opfer der Dualität, die meiste Zeit. Wenn etwas nicht mehr da ist, dann ist es nicht mehr da, bin ich im Mangel. Wenn es da ist, bin ich in der Fülle. Es ist also immer ein Entweder-oder, nicht wahr? So nimmt die kleine Person die Dualität wahr. Es ist schwarz oder weiß, es kann nicht beides sein. Aber fühlt: Wenn ich Weiß sehe, dann ist Schwarz auf der anderen Seite vorhanden, gleich… nur nicht manifest. Sehe ich Weiß, dann ist aber Schwarz in mir, nur nicht gezeigt, nicht manifest. Schaue ich auf den Mangel, bedeutet es, dass in mir das Volle, die Fülle schon da ist, in mir, aber nicht manifest. Und ich kann es erreichen. Ich muss nicht glauben, dass ich es nie erreichen werde, es ist ja da, nur auf der anderen Seite des Seins in der Dualität. Und die Dualität scheint immer zu trennen in zwei Pole. Das ist die Dualität.
Wachsen ist Erkennen, dass die Dualität da ist, und doch nicht da ist. Wenn ich weiß, dass von allem beide Seiten an und für sich doch gleichzeitig da sind. Aber eine ist manifestiert und die andere nicht. „Ich könnte damit spielen. Ich könnte das Beste wählen. Ich könnte…, ich könnte…, ich könnte…, warum tue ich es nicht?“ sagt die kleine Person. Weil sie nicht dahin gewachsen ist, zu erkennen, dass wirklich alles da ist. Sie bleibt in der Trennung, und das ist der Verstand. Der Verstand, der immer alles nur trennt. Der nur glaubt, es ist so oder so.
Die Seele weiß, es ist beides. Es ist doch ein Sowohl-als-auch auf unterschiedlichen Ebenen, aber alles ist da, alles ist da. Also ist in der Ordnung des Seins alles, alles. Und es gilt zu vereinen, die Dualität zu vereinen. Die eine Seite zu vereinen mit der anderen.
Einige werden sagen: „Oh, das ist einfach.“ Andere sagen: „Es ist unmöglich. Es ist so schwer. Es ist so schwer. Wie kann das Dunkelste auch das größte Licht in sich enthalten? Das kann nicht sein.“…. Es ist nur, ich wiederhole, der Verstand, der ja trennt das, was ausgedehnt ist in die eine Seite und in die andere, es ist aber eins. Wie ein Gummiband, das langgezogen wäre. „Lass ich es los, ist es ein einfaches Gummiband, das in mir ist“. Aber der Verstand glaubt: „Nein, es gehört gar nicht zusammen. Es ist getrennt, und ich muss das eine wegwischen, damit ich das andere bekomme.“ Und da wachse ich hinein in die andere Seite, anstatt zu vereinen. Anstatt zu wissen: „Ich habe beides in mir. Und ich kann – und das ist die Kunst der kleinen Person –, ich habe das Bewusstsein hinzuschauen, wo ich auch will und wo mein göttlicher Wille es will“. Der göttliche Wille sieht alles, weiß aber auch, welcher Aspekt des Einen ausgedehnt in der Dualität für euch besser ist als ein anderer, wo weniger ist, weniger Energie, eine nehmende Energie, die ja den Mangel kreiert. „Welche Seite wähle ich, welche Seite tut mit gut?“ Das ist der göttliche Wille in euch und der freie Wille in euch und das Wachstum in euch.
Das ist die zweite Etappe des Wachstums. Die erste: Erkenne das Eine, das Sowohl-als-auch. Alles ist in mir. Das zweite ist, meine Kraft zu wählen. Wo will ich wirklich hinschauen? Wo will auch die Ordnung ihrerseits mich hinschauen lassen – und nicht der Glaube und der Schmerz meiner kleinen Person? Was brauche ich, um die Ordnung meines Seins walten zu lassen in seiner Kraft?
Entscheidung.
Entscheidung. All das sind Aspekte des Hinschauens, des Wählens. Ein Bewusstsein in Gleichmut, aber auch in Entschlossenheit und in Hingabe an das Höchste, an die Ordnung des Seins, an die Fülle der Ordnung des Seins, denn sie enthält die Fülle. Und die Fülle ist alles, es ist nicht wertend. Es ist, bedingungslos alles zu nehmen, so wie es ist. Damit die Fülle sei. Damit alles sei, aber zum Besten. Es ist eine Haltung der Nachsicht und der Annahme der kleinen Person inmitten der Dualität, in dieser schweren Schule, die sie ja Tag für Tag besucht, mit wachsendem Bewusstsein, dass sie in der Universität ist und kein Kindergartenkind mehr ist. Dass sie weiß, dass sie bewusst ist, dass sie kraftvoll ist, dass sie in der Liebe ist. Dass sie die Liebe ist, die Energie der Bedingungslosigkeit, der Hingabe. All das, diese Kräfte sind in ihrem Sein. Dazu braucht sie die Stille, die tiefe Stille mit sich selbst, mit sich und mit der Tiefe, die sie ist. Nicht nur eine oberflächliche Stille mit der Person. Es beginnt damit, aber es geht noch tiefer, und es darf immer tiefer sein. Das Schweigen an sich ist nur eine Ruhigstellung der kleinen Person, damit sie nicht mehr spricht, vielleicht irgendwann aufhört zu denken, vielleicht mit ihren Gefühlen ruhig wird.
Die Stille, von der ich spreche, ist ein Gleiten in die Tiefe der inneren Stille, die ihr seid. – In das Sein, in die Ordnung des Seins.
…
Meister Kuthumi